Themen
Das Leitthema wieweiterwohnen vereint eine breite Palette verschiedener Inhalte – von zukunftsfähigen Wohnformen, über den Klima- und Denkmalschutz bis hin zum Städtebau – die in unterschiedlichsten Konstellationen und Konkretheitsgraden diskutiert werden können. Wirtschaftliche Tragbarkeit und soziale Verträglichkeit sind dabei Querschnitts-Aspekte.
Zur Zuordnung der Aktionen und Projekte und Strukturierung der Diskussion wurden zehn Themenschwerpunkte in Begriffspaaren gewählt.
1. a) Stadt und Gemeinde: städtebaulicher/historischer Kontext, städtebauliche Qualität, soziale Verträglichkeit, stadtökologische Erkenntnisse, Erschließung, Ver- und Entsorgung
Die Stadt als Wohnstandort mit ihren gut erreichbaren infrastrukturellen Angeboten gewinnt insbesondere für Familien und Senioren weiter an Bedeutung. Standortqualitäten, eine hohe (städte-)bauliche Qualität und bedarfsgerechte Wohnraumangebote können die Suburbanisierung abschwächen. Die Bauaufgaben bestehen insbesondere in der sensiblen Nachverdichtung, dem Schließen vorhandener Baulücken, dem Umnutzen leer stehender Gebäude und der Anpassung an heutige und zukünftige Wohnbedürfnisse der vielfältigen Stadtbewohner.
1. b) Land und Region: Raumentwicklung, Siedlungsstruktur, Flächennutzung und -inanspruchnahme, Erschließung, Ver- und Entsorgung, Regionalbezug
Siedlungen im ländlichen Raum sind mit ihrem Umfeld funktional eng verknüpft. Der ländliche Raum kann mit seinen jeweils charakteristischen Raumstrukturen und spezifischen Stärken bei gleichzeitigem Respekt und Bewahrung des regionalen Erbes seinen Bewohnern ansprechende Orte zum Leben bieten. Um das ländliche Wohnen attraktiver zu gestalten, sind durch angepasste Strategien Infrastrukturen gegen die Tendenz des Pendlerwohnens und die funktionale Trennung von Arbeit, Wohnen und Freizeit zu entwickeln. Dabei sollen die Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke reduziert und wertvolle Freiräume geschützt werden.
2. a) Alt: Bestand, Gestaltqualität, Umbau, Umnutzung, Sanierung, Renovierung, Denkmal, Erweiterung, Bauprozess, Zusammenarbeit in Planung und Ausführung
Das Bauen im Bestand macht heute den größten Teil der Bauaufgaben auf dem Sektor des Wohnungsbaus aus. Gebäude und Wohnsiedlungen insbesondere der 1950er, 1960er und 1970er Jahre müssen zeitgemäß, energetisch und kostengünstig unter Bewahrung oder Erzeugung einer besonderen gestalterischen Qualität saniert werden. Dieser bestands- und unter Umständen auch denkmalgerechte Umgang bei energe-tischen und konstruktiven Sanierungen, bestimmt durch das Zusammenspiel von Altem und Neuem, erzeugt ein besonderes Spannungsfeld, in dem Vergangenes, Bestehendes und Zukünftiges sich im Idealfall zu einem selbstverständlichen Ganzen fügen.
2. b) Neu: Gestaltqualität, Innovation, Pilotprojekte, Experiment, Detail und Konstruktion, hohe Funktionalität, gute Grundrisse, Planungs- und Bauprozesse
Richtungweisende und innovative Neubau-Konzepte greifen die Zukunftsthemen vorausschauend auf und setzen zukunftsfähige Standards beispielsweise bei den Grundrissen oder der Auswahl von Materialien. Daneben ist attraktiver und kostengünstiger Wohnungsneubau vor dem Hintergrund der Integrierbarkeit in bestehende Stadtgefüge oder der Entwicklung neuer funktionierender Wohnquartiere auch auf Konversionsarealen eine Herausforderung an das Wohnen der Zukunft.
3. a) Demografie: alternde Gesellschaft, Schrumpfen, Wohnkonzepte, Anpassbarkeit von Wohnungsgrundrissen, Gruppenbildung, Mehrgenerationenwohnen
Die zunehmende Lebenserwartung der Menschen und die niedrigen Geburtenraten in Deutschland sind, neben der enormen Herausforderung für die Wirtschaft, das Sozialsystem und die gesamte Infrastruktur, auch eine Herausforderung für das künftige Wohnen. Dies erfordert Kombinationsfähigkeit von Wohnstrukturen: die Möglichkeit, mit einfachen baulichen Eingriffen Wohnungen für alle Altersstufen und Lebenssituationen kurz- und langfristig anpassbar zu gestalten.
3. b) Gemeinschaft: Kooperationsverfahren, Integration, Stabilisierung von Nachbarschaften, Zusammenleben, soziale Quartiersentwicklung, bezahlbarer Wohnraum
Flexibilität im Leben fordert Flexibilität im Wohnen. Das Wohnen und Leben in generationen- und kulturübergreifenden Gemeinschaften bedarf differenzierter Wohnbaustrukturen, die gebäudetypologisch, wie auch städtebaulich Individualität einerseits und Gemeinschaft andererseits ermöglichen und vereinen. Die Zwischenräume, Übergänge und Schwellen müssen gesellschaftlich wie auch baulich erprobt und differenziert entwickelt werden. Die besonderen Qualitäten und Stärken eines Wohnquartiers können vor allem durch die Kooperation und Partizipation von Bewohnern, Verwaltung, Planern und Eigentümern verstärkt und in Verantwortung der Kommunen weiterentwickelt werden, um den sozialen Zusammenhalt in den Nachbarschaften zu fördern.
4. a) Klima und Energie: Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Innovation, standortgerechte Materialwahl, erneuerbare Energien, Ressourcenschonung, ganzheitliche Betrachtung
Klimawandel und steigender Ressourcenbedarf erfordern einen Paradigmenwechsel beim Wohnen. Die Energieeffizienz von Gebäuden und die damit verbundene Reduzierung des CO2-Ausstoßes wird für die Zukunft ein immer wichtigerer Faktor. Modernisierung, Dämmung und die energetische Gebäudezonierung gewinnen als wirkungsvolle und prägende Faktoren für eine anzustrebende Energieautarkie an Bedeutung. Relevant sind unterstützende technische Neuerungen zur Nutzung erneuerbarer Energien – sowohl auf dem Gebiet der Materialforschung als auch dem der Systementwicklung. Die Debatte um gestalterische Aspekte und lebenszyklische Betrachtungen ist dringend notwendig. Gefragt sind Konzepte, die über die Einhaltung bestehender Verordnungen hinausgehen. Die energetischen Fragestellungen fordern und prägen zugleich ein neues Nutzerverhalten: energetisch sinnvolle Verhaltensweisen bestimmen künftig den Alltag.
4. b) Kosten: Wirtschaftlichkeit, tragbare Kosten, hohe Qualität, Effizienz, Finanzierungsmodelle, Bewirtschaftung, Instandhaltung, Energie- und Umweltkosten
Wirtschaftliches und gleichzeitig ressourcenschonendes sowie energieeffizientes Planen und Bauen mit hohem Qualitätsanspruch rücken mehr und mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung. Ansätze zur Kostensenkung werden durch gute städtebauliche Planung, Erschließung und systematische Kooperation aller Beteiligten erreicht. Die für die soziale Wohnraumförderung zur Verfügung stehenden Mittel müssen wirtschaftlich und effizient eingesetzt werden. Gefragt sind Finanzierungsmodelle, die bezahlbaren Wohnraum schaffen.
5. a) Innen: Wohnraumkonzepte, individuelle Lösungen, Flexibilität, Material, Farbe, Licht, Design, Möblierung
Wohnräume sind Lebensräume. Die individuelle Form und Gestaltung der Wohnung, der persönliche Stil, werden immer wichtiger. Die Größe und Lage der Wohnung, deren Raum-Aufteilung, Materialien, Formen, Oberflächen und Farben sowie die Temperatur und Luft-Qualität bestimmen das physische, psychische und soziale Wohlbefinden ihrer Nutzer. Derzeit spielen bei den Bewohnern Aspekte wie ein separater Arbeitsplatz in der Wohnung, das Bad als Wohlfühlraum, aber auch die Wohnung als Pflegestandort eine immer größere Rolle. Zu individuellen Lösungen entsprechend der jeweiligen Bedürfnisse der Nutzer gehören die Auswahl und der Umgang mit den Gestaltungselementen wie Material, Farbe und Licht.
5. b) Außen: Qualität der Freiräume, nutzerfreundliche Wohnumfeldgestaltung, Aufwertung, Identifikation, Sicherheit und Aufenthaltsqualität, Plätze und private Gärten
Die Qualität der Gestaltung von Freiräumen in Wohnquartieren ist von entscheidender Bedeutung für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Menschen in ihrem Umfeld. Privat nutzbare, den Wohnungen direkt zugeordnete Gärten und Freiräume sind ebenso wichtig wie attraktive öffentliche Wege, Plätze und Grünflächen. Sie steigern die Identifikation der Nutzer mit ihrer Umgebung und stärken das Gemeinschaftsgefühl. Freiräume sollten nach funktionalen und gestalterischen Aspekten auf der Grundlage der Bedürfnisse ihrer Nutzer gestaltet werden, damit sie ihr Potenzial umfassend entfalten können. Dazu gehören auch die Erfordernisse der Sicherheit der Nutzung wie Übersichtlichkeit, Beleuchtung, aber auch der Pflege der geschaffenen Anlagen. All diese Aspekte gelten gleichermaßen für die Neuanlage wie auch die Sanierung von Freiräumen im Wohnumfeld.



